Tourtagebuch 21.03.2014

liebes Tour-Tagebuch, wer is eigentlich so bekloppt und bucht freitags ne Show in Kassel, bzw warum hat meine Tour-Kutsche kein Blaulicht und Sondersignal, und welcher bekloppte Ingenieur hat sich den Platz für die Sicherung im Volvo ausgedacht, die mit Sicherheit am häufigsten kaputt geht und deshalb logischerweise am unzugänglichsten platziert ist. Notiz an mich selbst: den Ingenieur ausfindig machen, ihn mit dem Kopf in den Fußraum zwischen die Pedale drücken und... durchatmen, alles wird gut: Zweite Notiz an mich selbst: Kutsche mit Auto-Pilot, Kühlschrank, Fernseher und Äbbelwoi-Keller nachrüsten, dann brauch man sich weniger über die A5/A7 aufregen. Oder U-Bahn graben zwischen hier und Kassel...ja die Welt ist ein Karussell! Ihr Nord-Hessen, die ihr heute Abend noch nicht wisst wohin mit eurer Freizeit: Kommt ins V8 nach Espenau!

Tourtagebuch 20.03.2014

Geschichten, wie sie bloß das Leben zu schreiben vermag: Gestern Abend im Chapeau zu Klingenberg, der Abend begann recht zäh, die Gäste schienen zunächst mit sich selbst beschäftigt zu sein, mein erstes Set verstrich ohne übermäßige Reaktionen, ok, es flogen keine Flaschen, auch das kann man als Kompliment werten. Mein zweiter Blog beginnt, rechts von mir ein Tisch mit einem guten Duzend Leute, irgendwas zwischen Ende zwanzig und Ende dreißig, dachte ich im ersten Set noch, Mensch, wie spaß befreit muss man eigentlich sein denn keiner meiner Gags zündete bei diesen Leuten, was mich irritierte, denn wer mich schon mal live gesehen hat weiß, meine Gags zünden, egal wie flach oder wie tiefsinnig (und wenn Niko nicht dabei ist gehen sie auch selten unter die Gürtellinie). Aus irgendeinem Grund habe ich plötzlich deren Aufmerksamkeit, es kommt zum Dialog und es stellt sich raus, das diese Leute aus Ägypten, der Türkei und den USA stammen und in Klingenberg auf einem geschäftlichen Meeting sind. Ab hier platzt der Knoten, meine Ansagen etc. bring ich ab sofort auf Deutsch und englisch und siehe da, der Abend entwickelt sich zu einem echt netten Konzert. Dann geschieht, was ich, mit dem Bauchgefühl aus dem ersten Set im Hinterkopf nicht gedacht hätte. Ich erzähle, das ich auf Promo-Tour für meine neue Platte bin und kündige an, als nächstes einen Song zu spielen, den ich noch nie live gebracht habe, erzähle, das es in dem Titel um Freundschaft geht und wie sich manchmal Leute zu einer Gruppe finden die vielleicht bis auf die Tatsache, dass alle schwere Zeiten durchlebt haben nicht viel gemeinsam zu haben scheinen. Der Song heißt „This is our time“, ich leg los und habe die volle Aufmerksamkeit, mehr noch, ab dem zweiten Refrain singen sie ihn alle mit, ich ernte ehrlichen und anständigen Applaus! Premiere geglückt, dachte ich. Später neigt sich mein Programm dem Ende zu, es kommt zur obligatorischen Zugabe, und die Leute bestehen drauf, das ich den neuen Song noch mal spiele, nun, kein Musiker spielt einen Song gerne zwei Mal an einem Abend, aber dieser Aufforderung kann ich nicht widerstehen. Sie singen und klatschen den komplette Titel mit, feiern ihn regelrecht ab. Als ich gehe bedanke ich mich bei ihnen, das sie meine Titel so gemocht haben, es stellt sich raus, es ist ihr letzter Abend zusammen, wir machen noch gemeinsame Fotos und sie wollen unbedingt wissen, wie und ab wann man den Song bei iTunes laden kann, sie hätten eine wunderbare Zeit in Deutschland gehabt und einen ganz tollen letzten Abend, dieser Song (den einige von ihnen in der Zugabe außerdem komplett mit ihrem Handy mitgefilmt hatten) würde sie zukünftig an diesen Abend/diese Zeit in Deutschland erinnern… völlig geplättet fahre ich nach Hause und denke: Und ich werde den Abend nie vergessen, als ich diesen Titel zum ersten Mal Live gespielt habe, es ist eine schöne Erinnerung für mich, eine Geschichte, wie sie bloß das Leben schreibt.